Die Situation der Straßenhunde in Europa – und was Du tun kannst

Tierschutz

19. August 2021

Straßenhunde – wie Du zum Schutz der Streuner beitragen kannst

Straßenhunde – das sind Hunde, die ohne Besitzer in der freien Natur leben. Sie werden in der Regel nicht gefüttert und medizinisch versorgt, sondern leben von dem Müll, den wir Menschen in unseren Mülltonnen entsorgen. Deshalb sind Streuner häufig in der Nähe menschlicher Wohnsiedlungen zu finden. Teilweise fassen sich Menschen ein Herz und füttern die herrenlosen Hunde, sie leben aber weiterhin ungebunden auf der Straße. In vielen europäischen Ländern werden Straßenhunde als Problem betrachtet und gefangen, eingesperrt und getötet. 

Wann Straßenhunde zum Problem werden

Wilde Hunde auf der Straße müssen mit unberechenbaren Lebensbedingungen zurechtkommen. Leider ist es häufig so, dass sie nicht genügend Futter oder Trinkwasser finden. Je nach Heimat leiden sie unter Hitze oder Kälte. Bei Verletzungen oder Krankheiten fehlt eine adäquate medizinische Versorgung. Zudem können die Tiere Zoonosen auf uns übertragen. Dies sind Erkrankungen, die von Tieren an den Menschen weitergegeben werden – oder umgekehrt. Dazu gehört zum Beispiel die Tollwut. In Regionen mit vielen Straßenhunden ist die Angst vor der Übertragung solcher Zoonosen groß, sodass nicht gezögert wird, die Streuner einzufangen und zu töten. 

Auch Angriffe auf den Menschen sind keine Seltenheit. Hunger, Durst, Krankheiten, Schmerzen und Angst führen bei Streunern dazu, dass sie aggressiv gegenüber dem Menschen werden. Hundeattacken kommen vor allem in Rumänien und in Russland gehäuft vor, wie hier beschrieben ist. All diese Gründe führen dazu, dass die Tiere von der Straße weggefangen und euthanasiert werden – auf eine Weise, die ethisch nicht vertretbar ist. 

Straßenhunde in Europa – wie ist die Situation?

In Deutschland sind Straßenhunde sehr selten. Die überwiegende Mehrheit der Deutschen ist tierlieb, weshalb der eigene Hund wie ein zusätzliches Familienmitglied behandelt wird. Wenn doch einmal Hunde ausgesetzt werden, landen diese nach kurzer Zeit im Tierheim und werden weitervermittelt. So kann es gar nicht erst zu einer unkontrollierten Vermehrung kommen.

In vielen anderen Ländern Europas sieht das aber anders aus. Das gilt beispielsweise für den Süden Italiens, wo es zahlreiche Straßenhunde gibt. Sie werden häufig vom Menschen geduldet und teilweise gefüttert. Aber es gibt auch Hundefänger, die vom Staat bezahlt werden. Sie bringen die Hunde in sogenannte „Caniles“. Das sind Hundelager, in denen die Hunde zwar nicht getötet werden dürfen, aber unter erbärmlichen Zuständen leben müssen. Denn: Für jeden Hund erhalten die Betreiber der Caniles Geld, weshalb kein Interesse daran besteht, diese weiterzuvermitteln. 

In Rumänien gibt es sehr viele Streuner. Hier werden immer wieder groß angelegte Tötungsaktionen durchgeführt. Zwischendurch wird das Problem ignoriert. Vielen Straßenhunden in Rumänien geht es gut. Allerdings sind sie nicht kastriert und vermehren sich unkontrolliert. Manchmal werden die Hunde von Menschen misshandelt, vergiftet oder erschlagen. 

Auch in der Türkei sind sehr viele Straßenhunde zuhause. Dort leben sie häufig ungestört neben den Menschen. Zum Teil spielen Kinder mit den Streunern, mitunter werden auch Trinkbehälter für sie aufgestellt und Futterstellen angelegt. Das türkische Tierschutzgesetz schreibt vor, dass die Straßenhunde eingefangen, kastriert und wieder ausgesetzt werden. Diese Aktionen werden staatlich finanziert. Jeder Hund erhält eine Ohrmarke, die anzeigt, dass er bereits kastriert ist. 

Straßenhund wird gechippt

In Spanien gibt es offiziell keine Straßenhunde. Das liegt daran, dass die Hunde durch staatliche Hundefänger weggefangen und nach 21 Tagen getötet werden, sofern der Besitzer oder ein Tierschützer sie nicht befreit. Tierschützer versuchen, mit eigenen Tierheimen dafür zu sorgen, dass die Straßen hundefrei bleiben. Oft werden diese durch Spenden aus Deutschland finanziert. Aber: In Spanien ist es sinnlos, die Hunde zu kastrieren und wieder freizulassen, da Hundefänger sie schon kurze Zeit später wieder einfangen. 

In Ungarn ist die Situation ähnlich: Hunde werden permanent von der Straße weggefangen und nach dem Ablauf einer Frist getötet. Deshalb gibt es genau wie in Spanien auch hier keine Straßenhunde. Doch der Preis, den die Tiere dafür zahlen, ist hoch. 

Was kann getan werden, um die Tiere zu schützen?

Es ist alles andere als einfach, den Straßenhunden in den einzelnen Ländern zu helfen. Zunächst ist es schwierig zu entscheiden, ob ein Hund leidet oder ob es ihm gut geht. Manche Streuner fühlen sich auf der Straße wohl. Sie sind frei, können ihre natürlichen Bedürfnisse uneingeschränkt ausleben und selbst entscheiden, wo sie leben. Solange sie genügend Futter und Trinkwasser finden, kommen sie gut mit der Situation auf der Straße zurecht. Kompliziert wird es aber, wenn Rückzugsorte vor den Witterungseinflüssen fehlen oder die Tiere erkranken. 

In Ländern, in denen die Hunde getötet werden dürfen, gibt es auch zahlreiche Tierschützer. Sie holen die Hunde von der Straße und bringen sie in eigenen Tierheimen unter. Das Problem: Sie nehmen aus gut gemeinter Tierliebe zu viele Tiere auf. Sie haben dann nur wenig Platz, können einander nicht ausweichen und werden aggressiv. Manche Hunde trauen sich kaum noch aus ihrer Ecke heraus. Viele Straßenhunde aus europäischen Ländern werden bereits jetzt nach Deutschland vermittelt. Aber: Die Anzahl der Hunde, die man auf diese Weise retten kann, ist begrenzt. Auch wenn es möglich wäre, die Zahl der nach Deutschland vermittelten Hunde noch einmal zu verzehnfachen, müssten weiterhin mehrere Tausend Hunde ihr Leben in den europäischen Tierheimen verbringen. 

Genau deshalb sind Kastrationsprojekte die tierfreundlichste und effizienteste Lösung, um die Zahl der auf der Straße lebenden Hunde  zu reduzieren. Hierbei werden die Vierbeiner gefangen, kastriert und erhalten eine Ohrmarke. Danach werden sie in ihrer ursprünglichen Region wieder freigelassen. Gleichzeitig ist es möglich, die Tiere medizinisch zu versorgen – also zu entwurmen, zu entflohen und gegen Tollwut zu impfen. Diese Vorgehensweise ist langfristig am kostengünstigsten und effektiver als das Wegfangen und Töten der Hunde. Denn: Wie aus der Wildbiologie bekannt ist, wird die Populationsgröße einer Tierart durch das Angebot an Ressourcen wie Futter und Wasser beschränkt. Sind die Ressourcen ausgeschöpft, werden keine Tiere mehr nachkommen und die Geburtenrate stagniert. Werden jedoch Tiere eingefangen und getötet, wird Platz für die nächsten Hunde geschaffen. Ergo bleibt die Population auf der Straße hoch – während die Tiere in den Tierheimen fast schon übereinander leben müssen. Kastrierte Hunde hingegen dienen als „Platzhalter“, ohne dass sie zur weiteren Vermehrung beitragen können. 

Straßenhunden eine Chance geben – was Du als Hundeliebhaber selbst tun kannst

Bist Du selbst Hundeliebhaber und möchtest etwas zum Schutz der Straßenhunde tun? In diesem Fall ist es natürlich naheliegend, einem ehemaligen Straßenhund eine Chance zu geben. Genau wie jeder andere Hund kann ein einstiger Streuner ein liebgewonnenes Familienmitglied werden. Wir von PetTwins.de wissen, wovon wir sprechen. Wir haben schon viele Hundebesitzer kennengelernt, die nach dem Tod ihres geliebten „Streuners“ ein lebensechtes Stofftier bei uns bestellt haben. Aber natürlich ist in jedem Haushalt der Platz begrenzt und Du kannst maximal ein paar Straßenhunde retten. Darüber hinaus solltest Du wissen, dass ehemalige Straßenhunde nicht unbedingt für Anfänger geeignet sind. In der Regel sind diese sehr wild und dem Menschen gegenüber misstrauisch. Um zu vermeiden, dass der Vierbeiner wieder im Tierheim landet, solltest Du daher genau überlegen, ob Du Dich dieser Herausforderung gewachsen fühlst.

Kannst Du selbst keinen Straßenhund adoptieren? Oder möchtest Du darüber hinaus noch mehr für den Schutz der Straßenhunde tun? Dann hast Du auch noch andere Möglichkeiten, um zu helfen. So kannst Du beispielsweise Kastrationsprojekte unterstützen. Hier gibt es viele verschiedene seriöse Anlaufstellen – wie etwa die Organisation „Ein Herz für Streuner“. Solchen Vereinen, die sich auf Kastrationsprojekte von Straßenhunden spezialisiert haben, kannst Du entweder mit Geld- oder Sachspenden helfen. Alternativ kannst Du Mitglied werden und bei den Projekten vor Ort mit anpacken. 

  • Gaby Perlberg says:

    Sehr aufschlussreicher Beitrag. Habe selbst einen Hund aus Ungarn adoptiert. Man weiß nie was dieser schreckliches erlebt hat. Fakt ist, daß ein Straßenhund kein Anfängerhund ist. Man muss viel Zeit aufbringen und viel Geduld. Hast du es aber geschafft, hast du einen treuen Begleiter. Eine Alternative ist auch die Unterstützung der Tierschutzorganisationen.

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