Schluss mit Langeweile: Hauskatzen ohne Freigang sinnvoll beschäftigen

28. Dezember 2021

Sicher ist Freigang für eine Katze besonders artgerecht: Sie bekommt viel Bewegung, natürliche Umweltreize, soziale Kontakte zu Artgenossen und die Möglichkeit, das ihr angeborene Revierverhalten auszuleben. Bei einer Wohnungskatze fällt all das weg, dafür lebt sie aber deutlich sicherer und läuft nicht Gefahr, unter die Räder eines Autos zu geraten. Dafür haben Hauskatzen ohne Freigang häufig andere Probleme. Die reine Wohnungshaltung kann zu Bewegungsmangel, Langeweile und Einsamkeit führen.

Manchmal haben Katzenhalter aber auch gar keine Möglichkeit, ihrer Samtpfote Freigang anzubieten. In einer Großstadt wäre der ungesicherte Ausgang viel zu gefährlich. Auch die beliebten Rassekatzen wie die Maine Coon, die Britisch Kurzhaar und die Siamkatze leben oft ausschließlich in der Wohnung. Auch bei reiner Wohnungshaltung können Katzen artgerecht gehalten werden. Welche Grundvoraussetzungen Du dafür erfüllen solltest und wie Du Deine Katzen in der Wohnung sinnvoll beschäftigen kannst, um Langeweile zu vermeiden, erfährst Du in diesem Artikel.

Die beste Beschäftigung für Wohnungskatzen: ein Artgenosse

Eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine artgerechte Wohnungshaltung bei Katzen besteht darin, sie nicht allein zu halten. Obwohl immer noch viele Menschen davon ausgehen, dass Katzen strikte Einzelgänger sind, ist das ein Irrtum. Katzen haben ein ausgeprägtes Sozialverhalten, auch wenn sie oft allein unterwegs sind. In der Natur leben sie in Rudeln, jagen aber allein. Laut Tierschutzbund sind Tiere nur dann Einzelgänger, wenn sie sich lediglich zur Fortpflanzungszeit mit Artgenossen treffen. Dies gilt für den Großteil der Katzen nicht. Wurden sie einmal sozialisiert, sind sie oft unzertrennlich.

Freigänger haben die Möglichkeit, sich ihre sozialen Kontakte draußen selbst zu suchen. Wohnungskatzen können das nicht, weshalb sie oft vereinsamen, wenn sie keinen Artgenossen haben. Einsamkeit bei Katzen in Wohnungshaltung führt zu körperlicher und geistiger Unterforderung. Das zeigt sich durch folgende Verhaltensweisen:

  • Zerstörungswut
  • Aggressivität
  • Unsauberkeit
  • Depression

Auch, wenn Du Dich wirklich sehr viel und intensiv mit Deiner Katze beschäftigst, kannst Du einen Artgenossen nicht ersetzen. Du kannst Deine Samtpfote nicht putzen, nicht auf ihre Weise mit ihr kommunizieren und ihr nicht das typische Katzensozialverhalten vermitteln. Bei reiner Wohnungshaltung sind mindestens zwei Katzen daher ein Muss.

Richte Deine Wohnung katzengerecht ein

Katzen mit Freigang bewegen sich ganz automatisch mehr als Wohnungskatzen. Sie klettern, jagen und legen oft mehrere Kilometer am Tag zurück, um ihr Revier abzugehen. Um Deine Katzen in der Wohnung zu ausreichend Bewegung zu animieren, solltest Du diese katzengerecht einrichten. Dafür braucht es mehr als nur einen einzigen Kratzbaum – wie etwa:

  • mehrere Betten auf unterschiedlichen Ebenen
  • Höhlen oder Decken zum Verstecken
  • Kratzbretter, Kratzsäulen oder Wellpappen überall in der Wohnung
  • Katzenhäuschen
  • Rascheltunnel
  • Hängematten
  • Freifläche zum Toben

Ideal für kleine Wohnungen ist auch ein Catwalk an der Wand. Denke daran: Je mehr eigene Möbel zum Klettern und Kratzen Deine Fellnasen haben, desto eher werden sie auch Deine Einrichtung verschonen. Achte zudem auf eine clevere Anordnung Deiner Möbel. Katzen lieben Verstecke! Eine Nische hinter dem Sofa mit einer schönen Kuscheldecke wird oft gerne angenommen. Platziere Deine Stühle und Tische so, dass die Vierbeiner ihre Aussichtspunkte leicht erreichen können. Das animiert zum Springen und hilft dabei, dass die Katzen Deine vorgesehenen Plätze gut annehmen.

Auch Hauskatzen ohne Freigang sollten ihr Futter erarbeiten

Reine Wohnungskatzen haben einen echten Luxus: Sie werden zwei- oder dreimal am Tag gefüttert und müssen dafür rein gar nichts tun. Diese Fütterungsart widerspricht aber den natürlichen Fressgewohnheiten einer Katze. Eigentlich sind Katzen nämlich Snackfresser und essen bis zu 20 kleine Mahlzeiten am Tag – hauptsächlich in Form von Vögeln, Mäusen und anderen Kleinsäugern. Allein das Jagen beschäftigt eine Katze daher den Großteil des Tages.

Natürlich sollst Du nun keine Mäuse in der Wohnung freilaufen lassen 😉 Aber Du kannst dem natürlichen Fressverhalten Deiner Katzen im Haus nachkommen, indem Du sie ihr Futter zumindest teilweise erarbeiten lässt. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten: Du kannst das Futter verstecken, Snackbälle verwenden, in einem Fummelbrett anbieten oder einfach mal ein großes Stück rohes Fleisch hinlegen, das die Katzen selbst zerkleinern müssen. Auch Eintagsküken sind eine schöne Abwechslung für reine Wohnungskatzen. Diese kannst Du tiefgefroren online kaufen und Deinen Katzen nach dem Auftauen servieren.

Fensterplätze für Vogel-TV sind ideal

Gerade Wohnungskatzen lieben es, die Welt draußen zu beobachten. Ein Platz am Fenster ist für sie ähnlich interessant wie für uns ein Fernseher und ihr bevorzugtes Programm ist das Vogel-TV. Alles, was Du dafür brauchst: eine Kuscheldecke auf dem Fensterbrett oder einen anderen, erhöhten Aussichtspunkt vor dem Fenster. Stellst Du dann noch draußen ein Futterhäuschen mit etwas Streufutter auf, lockst Du allerhand Vögel an und Deine Stubentiger haben viel zu schauen.

Noch besser als ein gemütlicher Platz auf der Fensterbank oder ein Kratzbaum vor dem Fenster ist natürlich ein gesicherter Balkon. Hier können reine Stubentiger auch in der Großstadt Frischluft schnuppern und Vitamin D in der Sonne tanken.

Wie sich Hauskatzen ohne Freigang allein beschäftigen können

Wenn Du nicht daheim bist, solltest Du sicherstellen, dass sich Deine Katzen allein beschäftigen können. Dafür gibt es neben schönen Aussichtsplätzen und der Futtererarbeitung noch weitere Optionen. Hierbei sind Deiner Kreativität keinerlei Grenzen gesetzt. Orientiere Dich bei Deinem Beschäftigungsangebot einfach an all den Dingen, die Katzen gerne machen:

  • jagen
  • schnüffeln
  • Dinge herumtragen
  • etwas kaputtmachen
  • kauen und nagen
  • mit Wasser spielen
  • Sachen herunterwerfen

All diese Dinge werden Deine Katzen wahrscheinlich ohnehin tun, wenn Du länger abwesend bist. Um zu vermeiden, dass sie dafür Deine Deko und Einrichtung verwenden, bietest Du am besten geeignete Gegenstände für Katzen an. Das können spezielle Spielzeuge sein, aber auch einfach günstige Materialien wie Federn, Baldrian, Küchenrolle, Papier oder leere Kartons.

Spielzeug: ja! Aber: weniger ist mehr

Natürlich kannst Du für Deine Katzen auch allerhand Spielzeug im Handel kaufen. Am besten sammelst Du es in einer ausreichend großen Spielzeugkiste, die immer offen steht. Dort solltest Du das Spielzeug so verstauen, dass Deine Stubentiger einen guten Überblick haben und sich selbst herausangeln können, worauf sie gerade Lust haben. Der Spielzeuginhalt sollte abwechslungsreich sein. Beliebt sind zum Beispiel Raschelkissen mit Katzenminze- oder Baldrianfüllung, gehäkelte Spielzeuge mit Schnüren, kleine Beutetiere wie Mäuse oder Vögel und Bälle in verschiedenen Größen.

Mit dem Spielzeug solltest Du es nicht übertreiben. Hier gilt eher der altbekannte Spruch: „Weniger ist mehr!“. Wichtiger als eine große Menge an Spielzeug ist es, für Abwechslung zu sorgen. Die Spielsachen in der Kiste, die immer zur freien Verfügung stehen, sollten daher regelmäßig ausgetauscht werden – am besten einmal wöchentlich. Wenn Deine Miezen jeden Tag dasselbe Spielzeug bespielen sollen, verlieren sie bald das Interesse. Das gilt auch für große Beschäftigungsspielzeuge wie Leckerlidecken, Fummelbretter, Spielbögen oder Spielschienen. Auch hier solltest Du immer mal wieder wechseln, um Langeweile entgegenzuwirken.

Preiswert und beliebt bei Hauskatzen ohne Freigang: Kartons & Decken

Es ist ein ungeschriebenes Gesetz: Katzen lieben Kartons! Lass daher einfach mal die Kartons Deiner letzten großen Onlineshopping-Bestellung ein paar Tage länger in der Wohnung stehen. Du wirst sehen, es dauert nicht lange, bis Deine Katzen darin sitzen, sich voreinander verstecken und jagen.

Alternativ zu Kartons sind auch Decken sehr beliebt. Darunter kannst Du die Lieblingsspielzeuge Deiner Samtpfoten oder ein paar Leckerli verstecken. Katzen sind neugierig und lieben solche Wühlverstecke sehr. Und wenn Du nach der Arbeit wiederkommst und Deine Katzen vermisst, schau mal unter der Decke nach: Viele Samtpfoten schlafen dort nämlich gerne…

Hauskatzen ohne Freigang brauchen viel Beschäftigung

Täglich ein Muss: Soziales Spiel mit Dir

Zu guter Letzt ist es wichtig, dass Du Deine Katzen nicht immer nur autonom spielen lässt. Das ist zwar notwendig, wenn Du nicht da bist, aber sobald Du ein paar Minuten Zeit hast, solltest Du auch aktiv mit Deinen Katzen spielen. Für diesen Zweck sind Jagdspiele perfekt, denn dabei können sich die kleinen Racker so richtig austoben und ihren natürlichen Jagdtrieb ausüben.

Ideal als katzengerechte Jagdspielzeuge sind lange Angeln mit einem kleinen Beutetier daran – etwa eine Maus oder ein Schmetterling. Zusätzlich regen Naturmaterialien den Jagdtrieb an. Geeignet sind daher Katzenangeln mit Leder, Fell oder Federn. Gibt das Jagdobjekt dann noch knisternde oder raschelnde Geräusche von sich, ist das Spielzeug perfekt. Auch hier gilt: Abwechslung ist wichtig! Du solltest mehrere Jagdspielzeuge in petto haben und diese immer mal auswechseln.

Eine weitere sehr schöne Idee, um Hauskatzen ohne Freigang sinnvoll zu beschäftigen, für soziale Interaktion zu sorgen und eure Bindung zu stärken, ist das Clickertraining. Damit kannst Du Deinen Katzen coole Tricks beibringen und sie sowohl geistig als auch körperlich fordern.

Fazit: Hauskatzen ohne Freigang brauchen viel Abwechslung

In Deutschland sind Katzen die beliebtesten Haustiere überhaupt. Aber: Auch die Haltung der Samtpfoten geschieht nicht einfach nebenbei, sondern erfordert ein bisschen Arbeit Deinerseits. Das gilt vor allem für Hauskatzen ohne Freigang. Denn: Während Freigänger den ganzen Tag über damit beschäftigt sind, ihr Revier zu durchkämmen, Mäuse zu fangen und Bäume zu erklimmen, fehlen all diese Umweltreize bei Hauskatzen. Daher ist es umso wichtiger, dass Du Arbeit, Zeit und Kosten investierst, um das Zuhause für Deine Fellnasen so schön wie möglich zu gestalten.

Dabei sind Deiner Fantasie keine Grenzen gesetzt. Mit Kartons, Decken, anderen Alltagsgegenständen und ein paar Leckerlis kannst Du schon viel erreichen und musst nicht immer teure Spielzeuge investieren. Nichtsdestotrotz ist eine katzengerechte Umgebung in der Wohnung sehr wichtig, damit sich die Tiere richtig austoben können. Abwechslung ist dabei das A und O, denn sonst wird es Deinen Samtpfoten schnell langweilig.

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