Tiercafés liegen im Trend – Top oder Flop?

Hunde , Katzen , Tierschutz

26. August 2021

Tiercafés auf dem Vormarsch: Wie tierfreundlich sind sie wirklich?

In Japans sind sie längst Alltag, in Deutschland gerade erst auf dem Vormarsch: Die Rede ist von Tiercafés. Gäste genießen hier Kaffee und Kuchen, während sie die unterschiedlichsten Tiere beobachten und streicheln können. Beliebt sind Tiercafés auf jeden Fall – allerdings werden sie auch immer wieder scharf von Tierfreunden und Tierschützern kritisiert. Wir haben das Modell der Tiercafés einmal unter die Lupe genommen, über die Situation in Japan recherchiert und uns mit deutschen Tiercafés auseinandergesetzt. Ob wir den Besuch in einem solchen Café empfehlen können oder eher nicht, verraten wir Dir jetzt. 

Warum Tiercafés in Japan so beliebt sind

Einen Igel kuscheln, einen Otter füttern, eine Eule streicheln oder mit einem Minischwein schmusen – all das ist möglich in den japanischen Tiercafés, die bei der Bevölkerung äußerst beliebt sind. Die meisten Japaner lieben Tiere, können aber selbst keine halten, denn ihre Wohnungen sind klein und die Hautierhaltung verboten. 

Um trotzdem Zeit mit Tieren zu verbringen, wurden Tiercafés ins Leben gerufen. Hier haben die Menschen die Möglichkeit, die Tiere hautnah zu erleben, zu beobachten, zu füttern und zu berühren. Manche Kunden kommen aus Neugier, andere aus Tierliebe und wieder andere, um ein paar aufregende Schnappschüsse für Instagram aufzunehmen. Der Erfolg der japanischen Tiercafés ist daher riesig. 

Welche Tiere man dort beobachten kann, ist sehr unterschiedlich. Oft sind Haustiere wie Katzen, kleine Hunde, Kaninchen, Mäuse und Meerschweinchen vor Ort. Einige Tiercafés werben aber auch mit exotischen Tieren wie Ottern, Eulen, Igeln, Schweinen, Schlangen, Spinnen, Schildkröten und Spinnen. Wer die Tiere streicheln, füttern oder ein Selfie mit ihnen machen will, zahlt meist extra. Abgerechnet wird in den japanischen Cafés dabei in der Regel über die Aufenthaltsdauer vor Ort. 

Hoher Umsatz: Tiercafés in Japan generieren jährlich Gewinne in Millionenhöhe 

Der Umsatz, der in den japanischen Tiercafés eingefahren wird, ist enorm. Allein die reinen Katzen- und Hundecafés generieren jährlich einen Umsatz, der auf 25 Millionen Euro geschätzt wird. Je exotischer die Tiere im Café sind, desto tiefer greifen die Japaner auch dafür in die Tasche, ein solches Café zu besuchen. In einem Igel-Café in Akihabara können die Gäste beispielsweise Tickets zum Streicheln, Füttern und Beobachten der Igel direkt am Automaten kaufen. Für 30 Minuten zahlen sie circa 25 Euro. Auch im Mini-Pig Café in Tokio kostet es 25 Euro, wenn man 30 Minuten lang mit einem Minischwein kuscheln möchte. Andere Cafés verfolgen ähnliche Modelle, um einen möglichst hohen Umsatz mit der (vermeintlichen) Tierliebe der Gäste zu generieren. 

Tierschützer kritisieren japanische Tiercafés 

Tatsächlich handeln viele Besucher eines japanischen Tiercafés wirklich nur aus vermeintlicher Tierliebe. Denn: Für die Tiere ist der Aufenthalt in einem solchen Café meist nur Stress. Das gilt gerade für Wildtiere. Eine Eule beispielsweise ist eigentlich dämmerungsaktiv, muss bei der Haltung in einem Café aber tagsüber wach bleiben. Teilweise „arbeiten“ sie in Schichten: Einen halben Tag verbringen sie mit Menschen, die andere Hälfte ruhen sie sich aus, während ihre Artgenossen an der Reihe sind. 

Trotzdem: Wirklich glücklich sind Wildtiere wie Eulen, Otter, Igel und Schlangen nur in ihrer natürlichen Heimat. Dadurch, dass sie ständig von den Café-Besuchern angefasst, gestreichelt und geknuddelt werden, stehen sie permanent unter Stress. Die meisten Wildtiere sind Fluchttiere, können den Streichelattacken aber nicht ausweichen. Infolgedessen sterben die Tiere in Gefangenschaft viel früher als in freier Wildbahn. 

Problematisch ist häufig auch, woher die Wildtiere stammen. Teilweise kommen sie von Züchtern, häufig werden sie aber auch illegal in freier Wildbahn gefangen und eingesperrt. Seit Jahren kritisieren daher Tierschützer vor Ort in Jahren Eulen-Cafés und andere Einrichtungen mit Wildtieren. Aber auch Haustiere wie Hunde und Katzen fühlen sich in japanischen Tiercafés nur selten wohl. Zu viele Tiere müssen hier auf engstem Raum leben, es gibt zu wenige Rückzugsorte, um sich vor Artgenossen und Menschen zu schützen und das permanente Streicheln setzt sie unter Stress. 

Tiercafés in Deutschland: ein No-Go für Tierschützer? 

Fest steht: Cafés mit Wildtieren wie Eulen wird es in Deutschland dank des Tier- und Naturschutzgesetzes nicht geben. Katzencafés existieren hierzulande nun aber schon einige – mit großem Erfolg. Gestresste Menschen sollen hier Entspannung finden, während sie mit den Katzen kuscheln. Das Schnurren soll sich positiv auf ihren Blutdruck und die Stressbewältigung auswirken. Das haben sogar wissenschaftliche Studien bewiesen. Zu finden sind Katzencafés in Deutschland beispielsweise in:

  • Hannover
  • Köln
  • Aachen
  • München
  • Nürnberg
  • Berlin
  • Bielefeld

Doch es gibt strenge Auflagen in Deutschland: Es darf keine offene Theke geben und die Tiere müssen einen Rückzugsort besitzen. Ein Amtstierarzt kontrolliert regelmäßig die Hygiene und es gibt Mindestanforderungen an die Größe der Räume. So soll verhindert werden, dass zu viele Tiere auf engem Raum leben müssen. Meist stammen die Katzen aus dem Tierheim, sodass sie in einem Katzencafé zumindest ein tendenziell besseres Leben führen können. Insgesamt wird in deutschen Cafés tatsächlich sehr darauf geachtet, dass die Tiere nicht bedrängt werden und sich jederzeit zurückziehen können. 

Unser Fazit zu Tiercafés: immer mit Vorsicht zu genießen 

So interessant Tiercafés für die Gäste auch sein mögen, für die dort lebenden Tiere bedeutet diese Art der Haltung in aller Regel nur Stress. Vom Besuch eines japanischen Tiercafés mit exotischen Wildtieren wollen wir als Tierschützer dringend abraten. Bei solchen Cafés geht es nur um den reinen Profit. Die Bedürfnisse der Tiere stehen absolut im Hintergrund. Nicht selten werden die Wildtiere einfach in der Wildnis gefangen, sterben aufgrund des Stresses zu jung, werden im Krankheitsfall nicht ordentlich behandelt und haben keine Chance auf ein einigermaßen artgerechtes Leben. Auch die Hunde- und Katzencafés in Japan lassen oft zu wünschen übrig. 

Auch die Katzencafés in Deutschland sind eine Medaille mit zwei Seiten: Einerseits stammen die Katzen hier meist aus Tierheimen, sodass sie es im Katzencafé doch deutlich besser haben. Andererseits kann unserer Meinung nach aber eine Unterbringung in einem Café für die Vierbeiner nie wirklich artgerecht sein. Zu viele Katzen leben zusammen und zu viel Stress geht mit den ständig wechselnden Besuchern einher. Für uns steht fest, dass Haustiere nur in Haushalten mit ausreichend Platz, einer adäquaten Umgebung und einer liebevollen Betreuung ein glückliches Leben führen können. Deshalb sind wir auch von den deutschen Katzencafés definitiv keine Freunde und beobachten diesen Trend mit Skepsis. 

Kommentar schreiben